Oberfränkische Einzelmeisterschaften: Hartleb wird Vizemeister
Wie in den Vorjahren wurden die Oberfränkischen Meisterschaften nach dem Ablauf der närrischen Zeit in der Kronacher Hammermühle ausgetragen. Das Team der Hammermühle sorgte erneut für angenehme Spielbedingungen und ausgezeichnete Verpflegung der weit über 100 Teilnehmer.
Am 7-rundigen Hauptturnier nahm der Sonneberger Christopher Hartleb teil, während die Jugendturniere ohne Sonneberger Spieler stattfanden. Hartleb, der im Vorjahr Dritter geworden war, machte sich erneut Aussichten auf eine gute Platzierung. Im Hauptturnier gingen diese Mal 51 Teilnehmer an den Start, wobei in der 1. Runde die Favoriten traditionell auf die Außenseiter treffen, was bereits eine grobe Sortierung des Teilnehmerfeldes bewirkt.
Hartleb (DWZ 2134) löste seine Aufgabe gegen den Höchstädter Nasibullo Komilev (DWZ 1712) souverän, konnte aber in der 2. Runde mit den schwarzen Steinen gegen den Nordhalbener Altmeister Stefan Wunder (DWZ 1885) keine Spannung aufbauen und musste, als das Spiel zu verflachen drohte, sich mit einem Remis aus der Affäre ziehen. In der 3. Runde strebte sein Gegner Marko Hofmann (DWZ 2035) vom SV Seubelsdorf gegen ihn schnell ein Endspiel an, in dem er Hartleb allerdings einen geringfügen Raumvorteil und den Vorteil des besseren Läufer einräumen musste. Trotz nicht zu leugnender Remistendenz fand Hartleb noch Ansätze für Gewinnversuche und tatsächlich konnte Hartleb mit seinem König nach einem unvorsichtigen Bauerntausch Hofmanns in die gegnerische Stellung eindringen. Durch Zugzwang eroberte Hartleb zunächst einen Bauern und kurz darauf einen zweiten, wonach sich Hofmann geschlagen gab. Erneut konnte Hartleb in der 4. Runde mit den schwarzen Steinen gegen Torsten Müller (SV Neustadt, DWZ 1879) keine Spannung aufbauen und musste mit einem Remis vorliebnehmen.
In der 5. Runde traf Hartleb auf den Hofer Universitätsprofessor Dr. Jörg Scheidt (DWZ 1971), gegen den er im Vorjahr eine bessere Stellung überzogen hatte, noch verlor und dem Gegner nicht nur zu einem Punkt, sondern auch zu einem Schönheitspreis verhalf. Doch dieses Mal sollte es anders kommen. Nachdem Scheidt im frühen Mittelspiel zwei kleine Ungenauigkeiten unterlaufen waren, konnte sich Hartleb eine bequeme Druckstellung aufbauen und auf den entscheidenden Durchbruch hinarbeiten. Dieser kam früher als erwartet, als Scheidt nach einem unglücklichen Königszug eine Damenopfer zuließ, das ein Matt in 6 Zügen erzwang. Als er erkannt hatte, dass es vor dem Matt kein Entrinnen mehr gab, bekannte sich Scheidt geschlagen. In der 6. Runde entschied sich Hartleb gegen Ralf Riemer (DWZ 2001) vom SC 1868 Bamberg größere Risiken einzugehen, indem er eine Schwäche seiner Königsstellung in Kauf nahm, um ein Übergewicht im Zentrum zu erhalten. Riemer platzierte bald einen Läufer auf dem geschwächten Feld. Hartleb, der sorgsam darauf bedacht war, um den Läufer herumzuspielen, bereitete langsam einen Durchbruch am Königsflügel vor. Er ist unklar, ob Riemer das Unheil zu spät oder gar nicht auf sich zukommen sah, in Zeitnot (gespielt wurde mit einer Grundbedenkzeit von 90 Minuten und einem Bonus von 30 Sekunden pro Zug, zuzüglich 15 Minuten nach Zug 40) fand er nicht die richtige Verteidigung und stand nach der Zeitkontrolle mit Minusfigur da. Nach einigen belanglosen Zügen musste er die Niederlage eingestehen.
In der 7. Runde sicherte Hartleb mit einem Kurzremis gegen die Nummer 1 der Setzliste Yaroslav Demchenko (DWZ 2226) den zweiten Platz ab. Demchenko, der bis dahin alle seine Partien gewonnen hatte, stand schon vor der Partie als Turniersieger fest. Der 19-jährige Ukrainer übertraf im Turnier die Internationale Wertungszahl (ELO) von 2300 und darf künftig den Titel FIDE-Meister führen.

Hartleb nimmt den Pokal für den 2. Platz entgegen. v.l.n.r.: Christian Gebhard (2. Schiedsrichter), Christopher Hartleb, Claus Kuhlemann (Organisator), Angela Hofmann (Bürgermeisterin und Schirmherrin); im Hintergrund: Ingo Thorn (1. Schiedsrichter)
Demchenko (6½ Punkte) wurde als Turniersieger Oberfränkischer Meister und gleichzeitig Oberfränkischer Jugendmeister (U25), Christopher Hartleb wurde mit 5½ Punkten Vizemeister und Marko Hofmann, der in der letzten Runde seinen Teamkameraden Tizian Wagner auskonterte, erreichte ebenfalls 5½ und schaffte als Dritter noch den Sprung aufs Treppchen.Sechster im Gesamtturnier und Oberfränkischer Jungseniorenmeister wurde Jörg Scheidt mit 5 Punkten. Der sympathische Hofer konnte sich erneut mit einer Glanzpartie auszeichnen und erhielt wie im Vorjahr einen Schönheitspreis. Achter und Oberfränkischer Seniorenmeister wurde Ralf Riemer mit 4½ Punkten. Oberfränkischer Nestorenmeister wurde mit 4 Punkten das 85-jährige Hofer Urgestein Arkadiy Urytzkyy.
Bei den Damen zeichnete sich die 17-jährige Elisabeth Reich vom ATSV Oberkotzau aus, die 4½ Punkte erzielte. Elisabeth zeichnete sich bereits im Vorjahr durch kompromissloses Angriffsschach aus, gewann 4 ihrer 7 Partien fulminant und hätte in den verbliebenen Partien gegen topgesetzte Spieler leicht mehr als einen halben Punkt erzielen können. Nur gegen Demchenko war sie chancenlos. Dahinter nahmen das Mutter-Tochter-Duo Olena und Mariia Averkova mit jeweils 4 Punkten die weiteren Plätze ein. Besonders auf die Entwicklung der 14-jährigen Mariia darf man gespannt sein.